In der Debatte um das geplante Gewerbegebiet bei Maring-Noviand entsteht der Eindruck, es handele sich um ein Projekt im Interesse der gesamten Gemeinde. Diese Darstellung ist unzutreffend und bedarf der Klarstellung.
Tatsache ist: Die Mehrheit der Bevölkerung hat dem Ortsbürgermeister und dem neu gewählten Gemeinderat einen eindeutigen demokratischen Auftrag erteilt, die einzigartige Kulturlandschaft und den Lebensraum in Maring-Noviand zu schützen. Die klaren Mehrheitsverhältnisse im Gemeinderat sowie über 700 Stellungnahmen aus der Bevölkerung sprechen eine deutliche Sprache.
Dieses Gemeinwohlinteresse wird auch von der Bürgerinitiative proWeinjuwel vertreten, deren Engagement nicht auf eigenen wirtschaftlichen Vorteilen beruht. Ihre Ablehnung des Projekts gründet sich auf den Schutz der gewachsenen Kulturlandschaft, der Gesundheit der Bevölkerung und die Verantwortung für eine lebenswerte Zukunft kommender Generationen.
Demgegenüber vertreten wirtschaftliche Akteure nachvollziehbar ihre eigenen Interessen. Auch die Unterstützung durch die Industrie- und Handelskammer (IHK) entspricht ihrem institutionellen Auftrag. Diese Interessenvertretung ist legitim, darf jedoch nicht mit Gemeinwohl gleichgesetzt werden.
Die neu gegründete „BI Pro Gewerbepark Maring-Noviand“ besteht aus Akteuren, deren berufliche Tätigkeiten – etwa in Projektentwicklung, Handwerk oder gewerblichen Dienstleistungen – unmittelbar oder mittelbar von neuen Gewerbeflächen profitieren können. Es handelt sich daher nicht um eine neutrale Bürgerinitiative, sondern um eine Interessenvertretung mit klar erkennbarem wirtschaftlichem Bezug. Auch dies ist legitim, muss jedoch transparent benannt werden.
Die entscheidende Frage ist nicht, wer sich wirtschaftliche Vorteile erhofft, sondern welche Interessen dem Gemeinwohl dienen – und wer langfristig Verantwortung für Landschaft, Umwelt und die Bevölkerung übernimmt.
Sibylle von Schuckmann-Karp