Zunächst einmal ist das neue Ärztezentrum in Morbach grundsätzlich ein zukunftsgerichtetes Modell – positiv für die Region – doch der Bezug zu Maring-Noviand wirkt in der Berichterstattung auffällig konstruiert. Es fällt auf, dass Maring-Noviand immer wieder gezielt als erzieherische Vergleichsgröße herangezogen wird. Der zwischen den Zeilen vermittelte Eindruck: Hätte die Gemeinde dem interkommunalen Gewerbegebiet zugestimmt, wäre sie moderner, zukunftsfähiger – und positiv erzählbar.

So entsteht der Eindruck, die Gemeinde müsse in eine gewünschte Richtung gelenkt werden, damit Fortschritt sichtbar wird. Dabei wird Fortschritt nicht als verantwortungsvoller Erhalt von Natur und Landschaft vermittelt, sondern als Belohnung für Zustimmung für das IKG. Diese subtile, pädagogisch geprägte Darstellung ist weder sachlich noch journalistisch haltbar. Besonders deutlich wird dies an der medizinischen Versorgung. Unterschwellig wird suggeriert, Maring-Noviander müssten das 30 Kilometer entfernte Ärztehaus in Morbach aufsuchen – ohne jede sachliche Grundlage. Dass im näheren Umfeld zahlreiche Ärztinnen und Ärzte erreichbar sind, bleibt unerwähnt. Diese subtile Verschiebung dient nicht der Information, sondern dem narrativen Zweck: Sie konstruiert Rückständigkeit, wo keine ist, und schickt die Gemeinde symbolisch auf Landpartie, nur um das gewünschte Bild zu untermauern.

Ähnlich problematisch ist der Umgang mit dem demokratischen Votum gegen das IKG. Die Entscheidung von Bürgerschaft und Gemeinderat wird nicht als legitimer Ausdruck kommunaler Selbstbestimmung anerkannt, sondern als Fortschrittsverweigerung umgedeutet. Berichterstattung wird so zur pädagogischen Erzählung: wer nicht folgt, wird abgestraft.

Hier verschmelzen politischer Aktivismus und wirtschaftliches Wunschdenken zu einem Journalismus, der weniger erklärt als vorschreibt. Demokratie lebt von unterschiedlichen, auch unbequemen Entscheidungen. Sie im Nachhinein moralisch abzuwerten, verfälscht die Wahrheit. Journalismus sollte einordnen, nicht erziehen; informieren, nicht suggerieren, dass Fortschritt nur dort möglich ist, wo Landschaft geopfert und Selbstbestimmung relativiert wird. Sachlichkeit, Distanz und Respekt vor demokratischen Entscheidungen wären ein Gewinn – für Maring-Noviand und die regionale Berichterstattung.

Mit freundlichem Gruß 

Sibylle von Schuckmann-Karp

Brauneberg

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